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Ansichtssache – „Street View“ in Deutschland

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus zufolge möchte Google seinen Panoramabilder-Dienst „Street View“ künftig auch für deutsche Städte anbieten. Die Deutsche Post AG plant ein ähnliches Unterfangen. Das hat bereits die Datenschützer auf den Plan gerufen.

Google StreetviewUm das Google-Maps-Feature „Street View“ für Deutschland zu realisieren, werden in absehbarer Zeit auch in den hiesigen Großstädten mit Spezialkameras ausgestattete Autos die Straßenzüge abfahren und jede Menge 360°-Fotos schießen. „Wir sind derzeit in Europa unterwegs und wollen auch nach Deutschland kommen”, bestätigte der Datenschutzbeauftragte des Suchmaschinenriesen Peter Fleischer gegenüber Focus.

In den USA wird der Dienst seit Mai des vergangenen Jahres angeboten und stetig ausgebaut. Von Anfang an hatte Google mit den detailreichen Fotos, auf denen man teilweise Gesichter der Passanten und Nummernschilder erkennen konnte und bisweilen noch kann, für Diskussion und Aufregung gesorgt. So sah sich beispielsweise ein Ehepaar, dessen Haus in „Street View“ sichtbar war, in seiner Privatsphäre verletzt und verklagte das Unternehmen. In Europa wird es der Suchmaschinenprimus mit dem Service nicht einfacher haben. Im Gegenteil: wie das Onlinemagazin PCWorld berichtet, hat der EU-Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx bereits Bedenken gegen „Street View“ angemeldet und vor dessen Einführung gewarnt, da es in seiner derzeitigen Form nicht mit dem europäischem Recht vereinbar sei.

Google hat allerdings bereits begonnen, die Gesichter der abgelichteten Personen unkenntlich zu machen. Face-Blurring nennt sich diese Technologie, die automatisch Gesichter erkennt und verwischt. Bei neuen Aufnahmen des New Yorker Stadtteils Manhattan wurde diese Technik laut dem Google Lat Long Blog erstmals getestet. In Europa soll sie dann durchgängig angewandt werden und nicht nur Gesichter, sondern auch Nummernschilder unscharf machen. „In allen europäischen Städten werden bei uns keine Gesichter und Autokennzeichen zu erkennen sein“, verspricht Fleischer gegenüber Focus.

Doch das reicht vielen Wächtern der Privatsphäre nicht. Dem Focus-Bericht zufolge arbeitet auch die Deutsche Post AG derzeit an einem ganz ähnlichen Projekt. Hier fordern Datenschützer allerdings nicht nur, dass Personen und Autoschilder unkenntlich gemacht werden, sondern auch Hausnummern. Laut Focus bereitet manchem Datenschützer hierzulande sogar das öffentliche Abbilden von privaten Gebäuden Sorgen. Denn diese könnten gezielt Personen zugeordnet werden.

Ob diese Ängste nicht doch übertrieben sind, ist fraglich. Denn eigentlich ist „Street View“ ein nettes und nützliches Feature. Sollte es – sofern sichergestellt ist, dass Personen und Nummernschilder nicht mehr erkennbar sind – nicht auch in Europa den Segen der Datenschützer erhalten?

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UPDATE:

In Schleswig-Holstein regt sich Widerstand. Einem Bericht der Lübecker Nachrichten zufolge wollen einige Gemeinden des Landes Google unter Berufung auf die Straßenverkehrsordnung das Fotografieren untersagen. Auch den schleswig-holsteinischen Datenschützern vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz, kurz ULD, geht Street View zu weit. Sie halten den Dienst für rechtswidrig. Wie sie in einer Pressemitteilung darlegen, verstoße er ihrer Ansicht nach gegen das Bundesdatenschutzgesetz. In einem Schreiben haben sie den Suchmaschinenriesen Mitte September darüber informiert und ihn aufgefordert, eine Datenerhebung in Schleswig-Holstein zu unterlassen. Google dagegen halte die Aufnahmen zwar für rechtmäßig, wie es in einem Antwortschreiben laut ULD erklärte, dennoch werde es – zumindest in diesem Jahr – in Schleswig-Holstein keine Aufnahmen mehr machen. 

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