Mehr wissen mit Cuil?
Das gälische Wort „cuil“ wird wie das englische “cool“ ausgesprochen. Es bedeutet Wissen, und es ist auch der Name einer neuen englischsprachigen Suchmaschine, die Ende Juli überraschend und ganz ohne Beta-Phase auf den Plan getreten ist.
Gegründet wurde Cuil in Menlo Park (Kalifornien) von ehemaligen Google- und IBM-Mitarbeitern – und dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen an den neuen Suchdienst. Zudem dessen Betreiber in einer Pressemitteilung selbstbewusst von einer innovativen Suchmaschine sprechen.
Cuil soll, so heißt es da, bessere Suchergebnisse als seine Wettbewerber liefern, da es diese anders als die Konkurrenz weniger nach Linkanalyse und Bekanntheitsgrad beurteilt, sondern viel mehr nach deren inhaltlicher Relevanz. Außerdem stelle es die Treffer ausführlich und auch mit Bildern dar, ordne sie in Gruppen und sortiere sie nach Kategorien. Die Cuil-Macher versprechen dabei den kompletten Schutz der Privatsphäre der User. Denn für eine Suchmaschine, die die Suchergebnisse nach deren Inhalt klassifiziert statt nach deren Popularität, sei das Sammeln von Nutzerdaten nicht nötig. Mit 120 Milliarden Webseiten habe Cuil zudem dreimal mehr Seiten als andere Anbieter erfasst und sei daher die größte Suchmaschine des Webs. Das ist für die Cuil-Macher wichtig, denn ihrer Ansicht nach sind die anderen Anbieter nicht fähig, mit dem stetigen Wachstum des Internets mitzuhalten.
So weit der Ansatz, mit dem Cuil angetreten ist, und der durchaus überzeugend klingt. Doch die Realität ist eine andere. Bislang konnte die neue Suchmaschine die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Im Gegenteil: Bereits in den ersten Tagen hagelte es in den Medien jede Menge Kritik. Nicht zu unrecht. Denn ganz abgesehen davon, dass die Darstellung der Treffer in wahlweise zwei oder drei Spalten gewöhnungsbedürftig und die Suchmaschine auf englischsprachige User spezialisiert ist, lassen vor allem die Suchresultate mächtig zu wünschen übrig. Auch mit der Erkennung einer inhaltlichen Relevanz ist es nicht so weit her. Wie Christian Stöcker in Spiegel Online feststellt, funktioniert bei Cuil zum Beispiel auch die altbekannte Google-Bombe “miserable failure” (jämmerlicher Versager). Wie früher Google liefert Cuil bei dieser Suchanfrage als eines der ersten Ergebnisse die Homepage von US-Präsident Bush. Und das lässt vermuten, dass die Linkfrequenz von Cuil doch stärker als zugegeben berücksichtigt wird. Außerdem bietet Cuil neben der Websuche keine weiteren Funktionen – wie etwa eine spezielle Bildrecherche oder eine lokale Suche. Gerade letztere ist aber in Zeiten, wo ein großer Teil aller Suchanfragen ortsbezogenen Charakter hat, für eine Suchmaschine, die mit den Big Playern mithalten möchte, eigentlich unentbehrlich. Kann Cuil daher überhaupt eine ernsthafte Konkurrenz zu Google und Co. darstellen







