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Archiv für Januar 2010

Soundtrckr: Lokale Suche nach Noten

Wo spielt die Musik? Jetzt gibt es endlich eine Plattform, die diese Frage beantwortet. Zumindest aus Sicht ihrer Nutzer.

Soundtrcker ist, wie LBS Insight meint, die perfekte Mischung aus Internet-Radio, Social Network und mobiler Location-Based-App. Mit dem mp3-Player morgens durch den Wald joggen, auf dem Weg zur Arbeit seine Muntermachermusik hören, oder Freunde mit einem Sample heiß machen auf eine angesagte DJ-Location heute Abend – genau darauf zielt Sountrckr. Wer mit bestimmten Orten eine bestimmte Musik verbindet, der kann sie jetzt auf dieser Plattform geokodieren.

Das alles funktioniert auf der Landkarte und lässt sich mit Social Networks wie Twitter und Facebook teilen. Im Moment läuft der Dienst auf iPhone und iPod. Android, Blackberry und Windows Mobile sind für 2010 angekündigt.

Location-Based Social Network: Geld für Gowalla

Die Geocaching-Community Gowalla hat Geld bekommen: Risikokapital-Geber, allen voran Greylock Partners, haben dem Start-up aus Texas 8,4 Millionen US-Dollar gegeben, um sein Geschäft voranzutreiben.

Gegründet 2007, gestartet im Herbst letzten Jahres, hat die online organisierte, ortsbezogene „Reiseführer-Schnitzeljagd“ Gowalla eine erkleckliche Summe von zehn Millionen US-Dollar auf sich vereinen können. Hinzu kommen laut LBS Insight 50.000 User, die über 150.000 Standorte in mehr als 8.500 Städten und rund 100 Ländern berichten. Jeden Tag loggen sich 20.000 Mitglieder ein und fügen dem Netzwerk gut 3.500 Standorte hinzu.

City Tours: Google erleichtert den Stadtrundgang

Der Stadtführer von Google Maps hat neue Features: User können jetzt selbst gewünschte Sehenswürdigkeiten in die Labs-Anwendung importieren, die zudem fußgängerfreundlicher geworden ist.

City-Tours
ist ein Service von Google Maps, der bei der Planung von Stadtrundgängen hilft. Der Dienst stellt die Sehenswürdigkeiten einer gewünschten Stadt zu einer Tour zusammen, indem er vorher die entsprechenden Daten bei Maps abruft. Mit dem Update kann man jetzt eigene Etappen aus My Maps in die Anwendung hochladen. City Tours beachtet bei der Routenplanung dann nicht nur diese Standorte, sondern auch zum Beispiel Öffnungszeiten und für den, der möchte, Abschnitte, die wirklich nur zu Fuß erreichbar sind und nicht von Autoverkehr beeinträchtigt werden. Einziges Manko: Da der Dienst noch im Laborstadium ist, kennt er bislang noch recht wenige Städte…

ReachLocal: Lokale Suche als 100-Millionen-Dollar-Regen?

Der lokale Anzeigenvermarkter ReachLocal will an die Börse gehen. Das Ziel: 100 Millionen Dollar in die eigenen Kassen zu spülen. Das ist gar nicht mal so abwegig.

Anders als viele Wettbewerber wie etwa Yelp oder Yext schickt ReachLocal seine Vertriebsleute zum Akquirieren von Anzeigen auf die Straße und lässt sie nicht nur vom Telefon aus arbeiten. So konnte das Unternehmen aus Kalifornien die Zahl seiner Verkaufsberater binnen drei Jahren von knapp 30 auf mehr als 500 steigern.

Laut Erick Schonfeld von TechCrunch genau die richtige Strategie: „Der Umfang der Vertriebstruppen wird ein entscheidender Bestimmungsfaktor für den späteren Gewinner sein.“ Dass ReachLocal die 100 Millionen an der Börse machen wird, ist für ihn sicher. Seit Gründung 2004 hat das Unternehmen schon 68 Millionen US-Dollar an Risikokapital zusammenbekommen.

AdLocal: Anzeigen als Location-Based Services

Cirius Technologies hat den nach eigenen Angaben weltweit ersten ortsbezogenen mobilen Anzeigendienst zum Selbsteintragen als Vollversion in den USA gestartet. Der neue Service ermöglicht es Werbungtreibenden, von Handynutzern gefunden zu werden, die sich gerade in ihrer Nähe aufhalten.

Als Werbekunde kann man die Anzeigen selbst gestalten und dann zu einem definierbaren Budget festlegen, wo und zu welchen Gelegenheiten man von Handynutzern gefunden werden möchte. Das Ganze lässt sich über einen Online-Assistenten steuern. Apps-Anbieter können diese lokalen Anzeigen über eine API dann bei sich integrieren.  

Derzeit funktioniert der Dienst nur für iPhones und Android-Geräte. Als Beta-Version läuft er bereits seit 2006 mit Erfolg in Japan und soll dort laut Cirius Marktführer bei den mobilen lokalen Anzeigen sein.

Lokale Suche 2010: Die Branche ist heiß wie nie

Wenn auch niemand mit absoluter Gewissheit in die Zukunft blicken kann, eins gilt unter Experten als sicher: Das Thema Lokale Suche wird in diesem Jahr bei Verzeichnissen, Suchmaschinen und Social Networks durchstarten wie ein Ferrari. Der Grund liegt im letzten Jahr: Nie zuvor hatte die Branche so viel Tempo wie 2009. Und nie war sie so „heiß“ wie jetzt.

Die Zeit zwischen den Jahren war wieder Anlass für zahlreiche Jahresrück- und -ausblicke. Quer durch die Bank sind sich fast alle Experten einig. 2009 war im Vergleich zu 2010 noch gar nichts. Mehr Firmenaufkäufe und Partnerschaften sowie ein stärkeres Zusammengehen zwischen mobilen und lokalen Anwendungen sind die Haupttrends im kommenden Jahr.

MG Siegler von TechCrunch beispielsweise spricht schon vom „Great Location Land Rush“ und setzt damit den Trend gleich mit der Besiedlung des Wilden Westens. David Mhim stößt auf Search Engine Land ins gleiche Horn und macht aus der „Great Frontier“ der jungen USA die „Local Frontier“ der kommenden Jahre. Und schließlich Greg Sterling: „Vor-Ort wird überall sein.“ Alles, meint der Experte, wird geokodiert oder ortsbezogen sein – Produkte, Dienstleistungen, Anbieter, Bewertungen, Menschen, Anzeigen, Angebote. Und – natürlich und „nicht überraschend“ – mobil.

Woran kann man diese Erwartungen festmachen? Die wesentlichen Punkte sind:

Googles Großoffensive

Lokale Suche galt Anfang 2009 noch als Bereich, in dem der Suchmaschinenriese den Anschluss zu verlieren drohte. Dann kam alles anders. Wichtigste Meilensteine waren

-       die Einführung der Local Business Listings

-       Latitude, um Freunde zu orten

-       der Start der Place Pages

-       der Analytics-Dienst für Nutzer des Local Business Center

-       die Local Listing Ads als ortsbezogene Antwort auf Google Ads

-       der Ausbau von Google Local fürs iPhone

-       Map Navigation als Navi-System fürs Auto  – mit Zugriff auf lokale Informationen von Google.

-       Die größte Story 2009 aber war, wie David Mihm es sehr schön ausdrückt, diejenige, die gar nicht stattfand: Der 500-Millionen-Deal von Google, um das lokale Bewertungsportal Yelp zu kaufen – er platzte ebenso schnell, wie er bekannt wurde.

Local Social Media…

… also die Integration der Lokalen Suche in Social Networks: Twitter fand sicher die meiste Beachtung – erst war es die ortsbezogene API, mit der sich Tweets lokalisieren ließen (Twitter in seinem eigenen Blog damals: „Location, location, location“), Ende des Jahres dann der nächste große Coup: Twitter kauft Mixer Labs, die Macher der GeoAPI, und damit das nötige Know-how, um die eigene lokale API zu perfektionieren. Jennifer Van Grove von Mashable ist sogar überzeugt, dass das Ganze in eine eigene lokale App von Twitter münden wird. Nebenbei gehört den Kaliforniern übrigens mit dem Kauf auch die lokale Community TownMe – ein weiteres interessantes Experimentierfeld.

Nicht vergessen darf man auch die anderen Wettbewerber, so vor allem Yahoo mit Neighbors, die Bewertungsmöglichkeiten auf Googles Place Pages oder Shooting Stars wie Foursquare und Gowalla, die Local Social Media buchstäblich spielerisch aufgreifen.

Und Facebook? Genauso wichtig, wenn nicht wichtiger als zu wissen, dass einer meiner Freunde gerade einen Kaffee trinkt, ist zu wissen, wo er ihn trinkt, meint Mashable-Bloggerin Jennifer Van Grove (was im Übrigen für Twitter genauso gilt) und ergänzt: „Wenn irgendjemand im neuen Jahr bereit für den großen Schachzug im Lokalisierungs-Bereich ist, dann Facebook.“ MG Siegler meint ähnlich: „Wartet nur, bis sie ganz schnell mit dem Kaufen anfangen.“ Womit das  dritte  große Thema genannt ist:

Mergers & Acquisitions

Twitter und Mixer Labs, Google und (nicht) Yelp,  Google und (vielleicht) Trulia, Citysearch und Twittter bzw. MySpace bzw. Mapquest, Bing und Yellow Pages, Citysquares und Praized – die Liste lässt sich fortsetzen.

MG Siegler von TechCrunch sieht hierin alles andere als die neue Harmonie einer Branche. Noch, meint er, spielen sie friedlich miteinander, weil sie alle gleichermaßen am Durchstarten der Lokalen Suche interessiert sind. Aber die potenziellen Aufkäufer ganzer Ideenschmieden scharren schon mit den Hufen. Und die sind: Google, Twitter und Facebook. Und natürlich Microsoft mit Bing. Jennifer Van Grove: „Die müssen noch kräftig Wellen schlagen, und sie wollen mit Google mitziehen, wann immer es geht.“

Man sieht, es liegt eine Menge in der Luft. Interessant ist, was Jennifer Van Grove für die nächsten Monate daraus ableitet: Die Medien, meint sie, werden wie immer erst einmal neiderfüllt nur auf den Misserfolgen in der Branche herumreiten, dann kommen die Hintergrundberichte, und wenn die ersten Anbieter mit Location-Based Services richtig Geld machen, dann schreibt man natürlich Erfolgsstorys. MG Siegler bricht es runter auf die einfache Formel: Allen geht es doch nur darum, die Welt der Social Media mit der realen Welt zusammenzubringen. Und weiter: „Denkt dran: Von nun an späht jeder Mitspieler bei der Lokalen Suche auf seine Einkaufsmöglichkeiten.“

Wir sind gespannt auf 2010.

Ach so? Google wollte Yelp kaufen?

War wohl nur so `ne Idee: Der Deal zwischen Google und Yelp, ist genauso schnell geplatzt, wie er kolportiert wurde. Mountain View wollte seiner Braut eine halbe Milliarde Dollar Mitgift hinlegen – aber die hat in letzter Sekunde nein gesagt.

Es war wohl eine der größten und eine der absurdesten Geschichten am Ende des Jahres 2009: Google blättert 500 Millionen Dollar für Yelp hin, ein lokales Bewertungsportal mit eigentlich eher überschaubarem Erfolg. Angeblich konnte das Unternehmen im letzten Jahr nicht mehr als 20 Millionen Dollar auf die hohe Kante legen.

Jetzt ist das Rätselraten groß. Eine Riesen-Zeitungsente? Ein Weißer Ritter, der Yelp viel Geld geboten hat, ohne die Unabhängigkeit in Frage zu stellen? Jemand mit B wie Bing gar, oder mit A wie Apple? Niemand weiß Genaues – und damit wartet die Branche bis zum nächsten Gerücht.

Twitter setzt auf Lokale Suche

Twitter hat die Mixer Labs gekauft. Damit hat das Social Network einen entscheidenden Schritt in Richtung Lokale Suche getan.

Die Mixer Labs aus Kalifornien haben die Anwendung GeoAPI entwickelt – und genau das hat Twitter bewegt, für einen branchenbezogen wohl recht milden siebenstelligen Betrag, das Unternehmen aufzukaufen. Die Sprengkraft liegt demzufolge auch weniger im Kaufpreis als in den Kaufkonsequenzen. Denn fast einheitlich werten Experten die Übernahme als Twitters endgültigen Schritt in Richtung Location-Based Services.

MG Siegler von TechCrunch hat dazu übrigens eine sehr dezidierte Meinung
. Er ist überzeugt, dass sich Twitter damit nur eine Melkkuh herangeholt hat, die für die eigene geokodierte API herangeholt wird. Und Jennifer Van Grove sagt in ihrer 2010er Jahresprognose: Twitter hat Mixer Labs nur gekauft, um daraus so schnell wie möglich eine eigene ortsbezogene Anwendung zu entwickeln.

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